Dienstag, 21. Februar 2017

REZENSION "Untamed. Anna & Griffin" von S.C. Stephens


Griffin Hancock, notorischer Bad Boy der Band D-Bags, hat es satt, in Kellan Kyles Schatten zu stehen. Trotz des Glücks mit Anna und seiner geliebten Tochter Gibson wächst seine Unzufriedenheit – denn schließlich hat er es verdient, selbst als Nr. 1 im Rampenlicht zu erstrahlen! Als sich ihm eine einzigartige Chance bietet, nimmt er kurzerhand seine kleine Familie und kehrt Seattle und der Band den Rücken, um in L.A. neu anzufangen. Doch dass Ruhm nicht alles ist und er ihn das kosten könnte, was er am meisten liebt, merkt Griffin erst, als es beinahe zu spät ist ...

Seitenanzahl: x
Preis: 8,99 [E] ; 9,99 EUR [P]
Verlag: Goldmann





Selbstvertrauen und Zuversicht in die eigenen Stärken, sind wertvolle Eigenschaften. Griffin hingegen sprengt diesen gesunden Rahmen, indem er eine Teamleistung mit Füßen tritt und durch seine selbstverliebte Art nicht in der Lage ist, die Dinge zu hinterfragen und rational zu betrachten. Er klammert so sehr an seinen Entscheidungen, dass er aufkommende Zweifel im Keim erstickt.

Mit mitfühlender Miene nahm Kiera Chelseys Hand. >>Ach, du bist die Schwester? Mein Beileid!<< Kellan lachte erneut, und ich schwöre, dass meine Schwester murmelte: >>Verdammt richtig.<<

Griffins Verhältnis zu den D-Bags wird immer angespannter. Er möchte im Rampenlicht stehen, doch seine Bandkollegen halten ihn klein. Griffin ist nicht gerade bekannt dafür, geniale Ideen zu haben, viel mehr haben mich manche seiner "fantastischen und brillanten" Ideen an seinem Geisteszustand zweifeln lassen. Ehrlich gesagt kann ich dennoch beide Perspektiven verstehen. Kellan, Evan und Matt arbeiten auf Hochtouren für das neue Album und kümmern sich nebenbei noch um ihre Frauen. Hinzukommend mit den Plänen für PR und Marketing, sowie eine besondere Überraschung die Matt vorbereitet, kann man es gar nicht gebrauchen, dass der vierte D-Bag einfach nur den Erfolg einheimst und noch mehr Probleme verursacht. Ebenso wie er kein Fettnäpfchen auslässt, die Gefühle anderer bewusst tritt und einen besonderen Liebesbeweis und die damit einhergehende Aufregung in den Schmutz zieht. Einfühlungsvermögen und das Talent sich zurückzunehmen, sind gewiss nicht seine Stärken.

Ich hasste Fabeln. Sie waren alle unverständlicher, kindischer Mist. >>Nein, aber ich bin mir sicher, dass sie nichts mit meinem Leben zu tun hat.<< >>Da wäre ich mir nicht so sicher. Der Hund in der Fabel hat alles, was er braucht, doch er verliert alles, weil er mehr will. [...]<<

Doch ebenso kann ich auch Griffins Verhalten ein Stück weit nachvollziehen. Er fühlt sich nicht ernst genommen, die drei Männer vertrösten ihn immer wieder, und anstelle einen Vorschlag zu machen, wie aus einem jetzigen 'Nein' vielleicht ein 'Ja' werden könnte, geben sie ihm unmissverständlich zu verstehen, dass er nie eine Chance bekommen wird auch nur für einen Song die Leadgitarre zu übernehmen, geschweige denn Kellan am Mikrofon zu ersetzen. Wieso also soll er nicht genau die Erwartungen erfüllen, die ihm alle zuschreiben? Griffin ist ohne Frage ein schwieriger Mensch mit falschen Erwartungshaltungen, dem die Achtung vor der Kunst der Musik fehlt, doch hätte man hier nicht einen Versuch unternehmen können, dass er die Chance hat, sich zu beweisen und zu zeigen, dass er sich ändern kann? Eine Frage die ich im Nachhinein mit 'Nein' beantworten würde, denn auch hier hätte er die Augen vor der Realität verschlossen und durch falsche Erwartungen geblendet, nicht die Erkenntnis gewonnen, die ihm so dringend fehlt.

>>Können wir das später besprechen? Ich bin völlig fertig.<< Ich ließ die Tür offen, damit er gehen konnte, aber er ging nicht. Stattdessen verschränkte er die Arme und bildete ein Spiegelbild meiner wütenden Frau. Sturer Bock.

Bereits vier Bände haben mir immer wieder vor Augen geführt, wie oberflächlich Griffin doch ist und das er ein Mann ist, der noch nicht gelernt hat, was Verantwortungsbewusstsein bedeutet. Hier haben wir jedoch erstmals die Möglichkeit in seinen Kopf zu schauen und bald bekommen wir auf vielfältige Seite vor Augen geführt, warum er ist, wie er ist. In zahlreichen Situationen überschätzt sich der Gute über alle Maßen, an anderen Stellen hingegen nagen Selbstzweifel, die er mit seinem Verhalten zu kompensieren versucht. Zu seiner Familie wahrt er Distanz und ein Lob von ihnen, ersetzt diese durch Gefühle, mit denen er so nichts anzufangen weiß. Sein Stolz verbietet es ihm, zurück zu blicken, ebenso wie er von jetzt auf gleich alle Brücken einreißt. Lediglich bei seinen Kindern zeigt er eine Seite an sich, die voller Fürsorge und Mitgefühl ist. Bis auf Anna bleibt diese Seite jedoch allen anderen verborgen und dementsprechend verbinden die D-Bags, als auch ihre Freundinnen, eher ausschließlich Negatives mit ihm. 

Sie würden mir die Flügel stutzen, dabei wollte ich unbedingt fliegen.

Wie groß die Folgen unseres Handelns sind, hätte Griffin wohl nicht vermutet. Egozentrik, Dickköpfigkeit und Gleichgültigkeit machen ihn zu keinem einfachen Artgenossen, dessen Verhalten auch auf seine Kinder abfärbt, praktisch eine Miniaturausgabe von ihm, die ungewollt in seine Fußstapfen treten, wie Gibby beweist. Anna hingegen habe ich sehr bewundert. Sie ist eine Frau, wie Mann sie sich nur wünschen kann. Aufgeschlossen, experimentierfreudig und nachgiebig. Sie glaubt an Griffins Talent und ist bereit ihn in jeglicher Hinsicht zu unterstützen. Sie sind ein Team, welches Absprachen trifft und nachgeben, wenn der andere gewonnen hat. Eine Regel, die sie zu einem unschlagbaren Team macht, bis Grif eben dieses Vertrauen missbraucht. So unvernünftig ich sein Verhalten auch finde, wirklich böse sein konnte ich ihm nicht. Er handelt durch falsche Maßstäbe geleitet, aus Angst andere zu enttäuschen, weil er glaubt, dass nur Erfolg und Geld ihn für Anna zu einem interessanten Mann machen. Er versucht alles wieder gerade zu biegen, doch im Gegenteil, er macht alles nur sehr viel schlimmer. 

>>Du nimmst deinen Stolz, an dem du mit aller Macht festhältst und schiebst ihn in ein dunkles Loch. Du zeigst ihnen etwas Echtes. Sei menschlich. Sei fehlbar. Sei anpassungsfähig. Sei demütig.<<

Manchmal muss man erst etwas verlieren, um zu begreifen, wie wichtig es einem war. Griffin erkennt erst, dass er all das, was er haben wollte mit Kellan, Evan, Matt und Anna schon längst erreicht und durch seine Waghalsigkeit alles verloren hat. Schafft er es, das Vertrauen aller zurück zu gewinnen, auch das seiner Fans? Am Ende wird klar: Die D-Bags sind - wie sie einst waren - Geschichte.


Annas Zuversicht und Vertrauen in Griffin scheint unerschöpflich. Sie kämpft immer an seiner Seite und folgt ihm sogar nach L.A., obwohl sie in Seattle ihre Heimat gefunden hat. Ihr Vertrauen wird missbraucht, ihre Hoffnungen und ihr Glaube hingegen leben weiter. Ist sie stark genug zu warten, bis auch Griffin den Mut aufbringt, einen neuen Weg einzuschlagen?

Griffin scheut Verantwortung und lacht Vorschriften ins Gesicht. Er sieht ausschließlich die positiven Seiten des Rockstar-Dasein ohne zu realisieren, dass viel mehr dahinter steckt als Noten auf einem Instrument zu spielen. Arbeit und Fleiß sind Fremdwörter für ihn, ebenso wie der Respekt gegenüber dem gemeinsam erzielten Erfolg. Er reißt alle Brücken ein, steigt bei den D-Bags aus und erkennt erst viel zu spät seine Niederlage. Doch auch hier steht ihm sein Stolz im Weg. Seine Ehe hängt am seidenen Faden, ebenso wie der Fortbestand der D-Bags selbst.


Mit dem fünften Band der D-Bags liefert uns S.C. Stephens eine geballte Portion Testosteron, die gar nicht so leicht zu verdauen ist. 

Mit der Familie Hancock erleben wir einen bunten Haufen, der keinen Zweifel an der Blutsverwandtschaft lässt. Sie sind allesamt stolze und egoistische Geschöpfe, die hinter ihrer Fassade einen liebenswerten Kern verstecken. Das Wir-Gefühl scheint hier anfänglich gar nicht so raus, viel mehr wirkt es, als würde jeder hier sein eigenes Ding machen, die ebenso wie Griffin eine beträchtliche Wandlung vollzieht, so erkennt man schließlich auch im Zusammenhalt der Familie eine rührende Wendung. 

Bei dem Spruch "Leichte Schläge auf den Hinterkopf, erhöhen das Denkvermögen" habe ich mir für Griffin schon eher einen Presslufthammer gewünscht. So viel geballte Selbstverliebtheit ist ganz schön anstrengend. Oftmals habe ich aufgestöhnt und die Augen verdreht und dennoch hat es die Autorin geschafft, diesen Charakter mit Wärme und ja, sogar Sympathie zu füllen. Griffin ist sich seiner Fehler durchaus bewusst. Er liebt Anna aufrichtig und hasst es sie anzulügen, doch macht er das nicht aus Boshaftigkeit, sondern aus Angst sie zu enttäuschen. Ein Blick den er schon von zu vielen Menschen ertragen musste, die ihm etwas bedeuten und diesen Ausdruck möchte er nicht bei der Mutter seiner Kinder sehen. Das macht seine Fehler bestimmt nicht wieder gut, aber zu wissen, welche Motive hinter seinen stecken, die auf seine Weise eine tiefe Liebe verspüren lassen, erfüllen diese Situationen gleichzeitig mit Gefühl und Wehmut. 

Ebenso Griffins Konflikt wurde hier sehr schön herausgearbeitet, er wünscht sich nichts sehnlicher als Annas Unterstützung, weiß aber auch, dass er diese nicht hundertprozentig haben kann, da sie oftmals nur die halbe Wahrheit kennt. Er hat sich von Anna als Team losgesagt und ihr nicht mehr das Gefühl gegeben, dass er sie braucht und dennoch hat sie ihm immer zur Seite gestanden und ihn aufgemuntert, als sie selbst jemanden an ihrer Seite gebraucht hätte. Die Nächstenliebe und das Vertrauen, die sie ausstrahlt, sind von so viel Wärme umgeben, dass man als Leser ebenso wie Griffin, mit seinem schlechten Gewissen leidet. 

Griffins Tochter Gibby ist ein trotziger Sonnenschein, der uns nicht nur den ersten Blick hinter Griffins coole Fassade geboten hat, sondern ihm zum Schluss nochmal einen wichtigen Denkanstoß liefert. 

Ebenso wie Grif lernen auch wir als Leser mit der Geschichte, dass Erfolg nicht nur von einem selbst, sondern auch von anderen abhängt. Es ist eine Teamleistung, in der jeder seine Funktion hat. Niemand erwartet Perfektion, Menschen machen Fehler, doch diese zu erkennen und trotzdem weiter zu machen, dass beweist Mut und Engagement. 




Über die Autorin:

S.C. Stephens lebt mit ihren zwei Kindern im wunderschönen Pazifischen Nordwesten Amerikas. Mit ihrem Debut "Thoughtless" feierte sie in ihrem Heimatland einen sensationellen Bestsellererfolg und eroberte auch mit den Folgebänden der Serie die Leserherzen im Sturm.




Bücher der Reihe:
"Thoughtless"-Reihe

Band 1: "Thoughtless. Erstmals verführt"
Band 2: "Effortless. Einfach verliebt"
Band 3: "Careless. Ewig verbunden"
"Thoughtful. Du gehörst zu mir"  aus der Sicht von Kellan Kyle

"Untamed. Anna & Griffin"





























Weitere Bücher der Autorin:
"Furious Rush. Verbotene Liebe"
erscheint am 20.März 2017























Danke!


Freitag, 17. Februar 2017

REZENSION "Under the Lights - Gunner & Willa" von Abbi Glines




Willa kann die Fehler, die sie begangen hat, nicht rückgängig machen. Sie kann sich nur vor weiteren Fehlern schützen, indem sie nie wieder jemanden nahe an sich herankommen lässt. Aber genau das will Highschool-Football-Star Gunner nicht akzeptieren. Es scheint zwar so, als würde er sich um nichts und niemanden außer sich selbst kümmern, aber das stimmt nicht. Zumindest nicht ganz, denn es gibt eine Ausnahme: Willa. Seit er sie zum ersten Mal gesehen hat, konnte er sie auf eine Weise verstehen wie keinen Menschen zuvor. Deshalb weiß er auch, dass sie leidet – und er kann es einfach nicht länger mit ansehen …

Seitenanzahl: 302
Preis: 8,99 EUR
ISBN: 978-3-492-30968-4
Verlag: Piper




Gunner und Willa verbindet eine tiefe Freundschaft, die seit Kindertagen besteht und nie an Intensität verloren hat. Schon damals wurde ihnen schmerzvoll bewusst, wie es sich anfühlt, abgelehnt zu werden. Sie haben einander den Halt gegeben, um den Boden unter den Füßen nicht zu verlieren, bis Willa die Stadt verließ und beide falsche Wege eingeschlagen  haben. Dieser folgeschwere Fehler führt Willa Jahre später zurück in die Kleinstadt, in der ihr einmal mehr vor Augen geführt wird, dass sich äußere Einflüsse und unsere Entscheidungen auf die Menschen auswirken. So ist auch Gunner nicht mehr der Junge, den sie damals zurückgelassen hat.

Seit jenem folgeschweren Abend war die Flucht in die Bücherwelt die einzige Erleichterung in meinem Leben.

Gunner liebt nur sich, eine Liebe, auf die er sich verlassen kann, ohne das Risiko einzugehen, verletzt zu werden. Seine Überlebensstrategie ist es, alles für sich zu behalten, zumal sich keiner in seine Lage hineinversetzen kann. Als Willa wieder zu einem Teil seines Lebens wird, erhält er auch ein Stück Unbeschwertheit zurück, ebenso wie sich Gefühle einschleichen, die er sich niemals zugestehen wollte. Seine Entwicklung zu beobachten hat mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, auch wenn diese Wandlung größtenteils durch seine Gedanken verdeutlicht wird. Allerdings merkt man auch, dass ihm hier die Erfahrung im Umgang mit diesen fehlt, denn ebenso wie er verletzt wurde, nutzt er unbedacht und von Hass geblendet, Willas Gefühle gegen sie, sodass auch sie erneut vor den Kopf gestoßen wird.

Meine Mutter wäre nach so einer Bemerkung ausgerastet und hätte herumgebrüllt. Nonna aber seufzte nur ergeben und schüttelte den Kopf. >>Immer so unverblümt und auf den Punkt<<, murmelte sie.

Willa hat einen Schutzwall um sich errichtet, den keiner so richtig zu deuten weiß. Im Gegensatz zu den anderen Mädchen in der Highschool, macht sie einen vollkommen unverfälschten Eindruck und strahlt damit eine Natürlichkeit nach außen, die sämtliche Aufmerksamkeit auf sie zieht. Aufmerksamkeit, die sie gar nicht haben möchte, da sie selber erst einmal die vergangenen Monate verarbeiten muss. Was mich bei ihr wirklich beeindruckt hat, ist, dass sie trotz des Wissens um die Folgen ihrer Handlungen, immer zu ihren Freunden steht und diese niemals im Stich lässt. 

>>[...] Du willst dich an sie erinnern, also tu's. Sprich über sie, erzähl mir alles. Ich bin da. Aber leb dein Leben nicht ohne Hoffnung auf Glück. Das wäre ihrer Erinnerung gegenüber nicht fair.<< Ich drehte mich zu ihm um. Waren diese Worte wirklich gerade aus Gunner Lawtons Mund gekommen? Wohin war der lebenslustige Playboy verschwunden? Ich wusste, er hatte mehr Tiefgang, als er der Welt zeigte, aber darauf war ich nicht vorbereitet.

Gunner und Willa sind in gewisser Weise Menschen, die den Glauben an sich und ihre Stärken verloren haben, weil diejenigen, die für sie Dasein und ihnen Halt schenken sollten, auf schlimmste Weise versagt haben. Dies ist jedoch auch der Grund, warum beide so wichtig füreinander sind, da sie sich gegenseitig auffangen und sich in ihren Gegenüber hineinversetzen können. 


Manchmal wird die Rache, die wir suchen, unseren Erwartungen nicht gerecht. Sondern tut uns nur weh.

Gunner hat mir furchtbar leidgetan, denn nicht nur, dass seine Eltern ihn mit Gleichgültigkeit strafen und sie seinen Bruder Rhett, ihm offenkundig vorziehen, sein ganzes Leben entpuppt sich darüber hinaus als Lüge und selbst bei den "Begünstigungen" die Gunner durch seinen Großvater erfährt, habe ich mich gefragt, ob diese wirklich aus Liebe oder aus reiner Berechnung auf ihn übertragen wurden. Der Hass einer ganzen Familie richtet sich gegen denjenigen, den überhaupt keine Schuld an den Vorkommnissen trifft, weshalb ich unter anderem ebenfalls nicht verstehe, wieso man aus reiner Macht- und Geldgier ein derart falsches Spiel spielen kann, sodass einem jungen Menschen die wertvollsten Gefühle im Leben - Liebe, Zuversicht, Hoffnung und Geborgenheit - verborgen bleiben? Als ihm durch Willa eben diese zu teil werden, tritt er sie mit Füßen und das nicht einmal böswillig, denn er weiß gar nicht damit umzugehen. Für beide eine schwierige Situation, die eine lange Freundschaft zu brechen droht. 

Im Leben trifft man auf Hindernisse, die man überwinden muss. Wenn man genügend Glück hat, findet man jemanden, der auch für dich kämpft.

Bestätigung zu erfahren, ist das, was jeden von uns stärkt. Zu wissen, dass wir Menschen an unserer Seite haben, die an uns glauben und uns vertrauen. Doch was passiert, wenn man vollkommen auf sich alleine gestellt ist? Der Weg von Gunner und Willa ist steinig und hält einige Hürden bereit, an denen sie scheitern werden, doch wer aus seinen Fehlern lernt, hat die Chance einen Weg aus den Schatten ins Licht zu finden.



Willa versucht ihren Fehler wieder gut zu machen, auch wenn sie weiß, dass die Vergangenheit unumkehrbar ist. Um wenigstens ihre Nonna mit Stolz zu erfüllen, versucht sie allen Erwartungen gerecht zu werden. Sie ist in sich gekehrt, wirkt verunsichert und schüchtern. Gunner gegenüber zeigt sie eine ganz andere Seite von sich, losgelöst und fröhlich. Er ist in der Lage, ihre Gefühle nachzuvollziehen, weshalb auch sie bereit ist, ihre eigens gesteckten Grenzen zu überschreiten. Doch auch Nonnas Grenzen verschwimmen hier und ehe sie sich versieht, scheint der Neuanfang, auf den sie so viel Hoffnung gesetzt hat, ein jähes Ende zu finden. 

Gunners Familie fehlt jegliches Feingefühl. Schon als kleiner Junge hat er erfahren müssen, dass er auf dem Anwesen nur geduldet und nicht erwünscht ist. Diese Abneigung liegt in einem Familiengeheimnis begründet, welches spektakuläre Ausmaße annimmt. 


Abbi Glines präsentiert uns mit Gunner und Willa zwei Charaktere, die augenscheinlich dasselbe durchmachen, dabei liegt der Unterschied im Detail. Wir erleben hier unterschiedliche Methoden mit etwas fertig zu werden, sei es indem man einen Schutzwall errichtet, der das Herz vor weiteren Schmerz schützen soll oder indem man sich das eigen Glück verwehrt, weil andere keine Chance mehr dazu haben werden, ihr eigenes zu leben. Die Entwicklung dieser Prozesse geht mit jeder Menge Gefühl einher, dabei beschränkt sich die Autorin in diesem Band auf den Austausch kleinerer Zärtlichkeiten und fällt nicht in das Muster, dass die Liebe hier exzessiv ausgelebt wird. Gerade der Verzicht auf sexuelle Handlungen in dem Sinne, hat die gefühlvolle Seite, sowie deren Bedeutsamkeit, hier nochmal um einiges hervorgehoben. 

Ohne die Möglichkeit von Bradys Perspektive, hätte dieser wahrscheinlich eher oberflächlich gewirkt, dabei ist er ein wirklich sehr guter Freund. Brady ist ein junger Mann, der von seinen Eltern geliebt und behütet wird, im Gegensatz zu Gunner. Doch andersherum besitzt er Schwächen, die Gunner als Stärke hat. Aus Angst jemanden zu verletzen, spielt Brady ein Spiel, dass umso schmerzlicher wird, je länger er das unausweichliche hinauszögert, während Gunner keinerlei Versprechungen macht und von vorneherein klar stellt, wie viel eine Frau von ihm zu erwarten hat. 

Die Familie Lawton hat mich wirklich sprachlos zurück gelassen. Hass und Intrigen haben diese Familie schon vor Jahren zerrüttet und mit Gunner hat man hier anscheinend einen Mittelpunkt gefunden, auf den diese angestaute Wut und Enttäuschung übertragen wird. Lediglich einem Menschen hat Gunner in seiner Familie vertraut und auch dieser hat durch falsche Erwartungen verursacht, letztendlich ein falsches Spiel gespielt. 

Eine fesselnde Geschichte, die mich mit ihren Wendungen oft überrascht hat. Sprachlich und mit der bekannten Liebe zum Detail, hat mich Abbi Glines wieder in eine neue Welt entführt. Lediglich der Abschluss des Bandes, hat dem Buch einen leichten Dämpfer verliehen, denn obwohl die Reihe noch nicht beendet ist, fehlt dem zweiten Band in meinen Augen in mehrfacher Hinsicht ein richtiger Abschluss, sowohl für unsere Protagonisten, als auch für Brady, Riley deren damalige Geschichte in Verbindung mit den nun gelüfteten Geheimnissen jede Menge Fragen aufwirft, sowie Rhett und Ivy. Etwas, was man meiner Meinung nach hier noch ein Stück weiter hätte führen müssen oder zumindest eine Andeutung hinterlassen, dass wir auf die offenen Fragen noch Antworten erhalten werden.

Nichts desto trotz bin ich gespannt wie es weiter geht, ebenso wie ich neugierig bin, ob meine Vermutungen der Wahrheit entsprechen. 





Über die Autorin:

Abbi Glines, 1977 in Birmingham/Alabama geboren, schrieb zahlreiche Fantasy- und Jugendbücher, bevor ihr mit ihren »New Adult«-Romanen der internationale Durchbruch gelang. Heute lebt die erfolgreiche Bestsellerautorin mit ihrem Mann und drei Kindern in Fairhope/Alabama.

- Piper -



Bücher der Reihe:
Field Party

Band 1: "Maggie & West: Until Friday Night"  *Rezension*
Band 2: "Gunner & Willa: Under the Lights"





















Weitere Bücher der Autorin:
Rush of Love
Band 01: "Verführt"

Band 02: "Erlöst"
Band 03: "Vereint"

Rush too Far

Band 04: "Erhofft"                                        *Rezension*

Band 05: "Twisted Perfection - Ersehnt"
Band 06: "Simple Perfection - Erfüllt"

Band 07: "Take a Chance - Begehrt"           *Rezension*
Band 08: "One more Chance - Befreit"        *Rezension*

Band 09: "You were Mine - Unvergessen"   *Rezension*

Band 11: "When I'm Gone - Verloren"
Band 12: "When You're Back - Gefunden"

Band 13: "The Best Goodbye - Ganz nah"  



Rosemary Beach
Novelle















Sea Breeze
Band 1: "Breathe - Jax & Sadie"                          *Rezension*
Band 3: "While it lasts - Cage & Eva"                   *Rezension*
Band 4: "Just for now - Preston & Amanda"          *Rezension*
Band 5: "Sometimes it lasts - Cage & Eva"          *Rezension*
Band 7: "Bad for you - Krit & Blythe"                   *Rezension*
Band 8: "Hold on tight - Dewayne & Sienna"         *Rezension*
Band 9: "Until the end - Rock & Trisha"               *Rezension*

     














Original Titel:
Under The Lights

Original Cover



Sonntag, 12. Februar 2017

REZENSION "Lawless" von T. M. Frazier





















Für die Liebe bricht er alle Gesetze!

Thia hätte nie gedacht, dass sie eines Tages auf das Versprechen eines teuflisch gutaussehenden und von Kopf bis Fuß tätowierten Bikers angewiesen sein könnte. Doch jetzt ist Thias Familie tot, alles, woran sie jemals geglaubt hat, ausgelöscht – und Bear der Einzige, der sie noch beschützen kann. Als hätte er nicht genug eigene Probleme, seit er von seinem Vater aus dem MC geworfen wurde und seine Brüder ihm zum Abschied das Leben zur Hölle gemacht haben. Doch die junge Thia berührt ihn, auf eine bisher ungekannte Weise, und wenn die BEACH BASTARDS ihn eins gelehrt haben, dann dass ein Versprechen niemals gebrochen werden darf!

Seitenanzahl: 230
Preis: 6,99 EUR [E]
ISBN: 978-3-7363-0439-0
Verlag: Lyx



Verantwortung bedeutet, nicht wegzurennen. Thia wurde schon früh mit einer Aufgabe betraut, die für einen Teenager eine viel zu große Last war, insbesondere deshalb, weil sie vollkommen alleine damit fertig werden musste. Um die Plantage der Familie über Wasser zu halten, opfert sie ihr Leben den Verpflichtungen, doch letzten Endes war dies von Anfang an ein verlorenes Spiel. Für Thia war diese Entwicklung ein Armutszeugnis, mit den Konsequenzen, dass sie die Flucht ergreift und zu Kurzschlussreaktionen neigt. 

Zugegebenermaßen, hätte ich zumindest in der ersten Szene die ihr gesamtes Weltbild nochmal auf den Kopf stellt, mir ebenfalls nicht anders zu helfen gewusst. Zu ihren Eltern selber, kann ich leider gar nicht viel sagen. Einerseits kann ich verstehen, dass bestimmte Verluste einen für immer verändern können, weshalb ich auch Verständnis für den "Geisteszustand" ihrer Mutter habe, doch hätte man den Verlauf über die Jahre nicht doch irgendwie beeinflussen können? Andererseits hingegen frage ich mich jedoch auch, wie jemand so zur Selbstaufgabe neigt, dass er in all seinem Kummer vergisst, dass da zumindest noch eine Person ist, die sie nun, mehr denn je, braucht? 

>>[...] Ich bin ein Problem für ihn, keine Lösung.<<

Bear und King sind Freunde, die bedingungslos füreinander kämpfen und ihr Leben ohne zu zögern für den anderen geben würden. Nach Ellis Angriff vor einiger Zeit, ist von dem alten Bear hingegen nicht mehr viel zu erkennen. Alkohol und Frauen sind sein neuer Lebensinhalt, bis er unfreiwillig aus seiner Lethargie gerissen und mit all dem konfrontiert wird, was ihn damals zur Flucht angetrieben hat. Thia ist eine Last für ihn, die seine Erinnerungen wieder aufleben lassen. Darüber hinaus vergisst er jedoch, dass auch sie einer Folter ausgesetzt wurde, die sie gebrochen hat. Fürsorge und der Wunsch alles zu vergessen, konkurrieren in ihm und die leidtragende ist die damals 10-jährige, die sich wie eine Ertrinkende an sein Geschenk geklammert hat. Sie verletzen einander, ebenso wie sie gleichzeitig die Wunden des anderen heilen lassen. 

>>Wenn du mit dem Teufel im Clinch liegst, musst du schon mal einen Dämon anrufen<<

Die Beach Bastards sinnen nach Rache und nehmen Bear in den Fokus, Thia hingegen kämpft mit dem Gesetz. Beide haben eindeutig einen Hang dazu, sich immer weiter in eine unausweichliche Lage zu manövrieren, bei dem man sich letzten Endes fragt: Wer ist Freund und wer ist Feind? 

>>Haben Sie einen Berechtigungsschein für das Tragen versteckter Waffen?<< >>Sehe ich so aus, als würde ich irgendwas verstecken, Arschloch?<<<, zischte Bear. 

Als Kopf des MCs ist Chops Wort Gesetz. Ein Vater, der seinen eigenen Sohn bluten sehen will und der kein Mittel scheut, diesen Plan umzusetzen. Dabei ist es ihm auch völlig egal, das Thia für Bear damals nur ein Mittel zum Zweck war. Wenige, aber dennoch relevante Rückblicke, haben uns einen Einblick in die Kindheit von Bear ermöglicht, die schon damals von Gewalt geprägt war, ebenso wie der vergebliche Kampf seiner Mutter, ihn von diesem Kreis fernzuhalten und einen hohen Preis dafür zahlen musste.

Im Glauben, alles verloren zu haben, was Bear wichtig war hat er sich selbst aufgegeben. Mit Thia flammen seine Lebensgeister mit neuer Kraft auf, doch sie reichen bei Weitem noch nicht aus, um jede Hürde meistern zu können. Bear nimmt Thia ein Versprechen ab, ein kleiner Satz, der so viel Schmerz offenbart, doch schon der äußere Anschein einer Situation verleitet Ti dazu, mit diesem Versprechen zu brechen, während sich Bear nur aufgrund diesem über Wasser halten kann.


Thia ist eine der wenigen Menschen, die Bear wahres Ich kennt. Sie möchte ihn, weil er ist, wie er ist und nicht obwohl er so ist. Sie ähneln einander in vielerlei Hinsicht. Während er als Club-Mitglied der Beach Bastards keine Ahnung hatte, was er tat, war sie nur ein Mädchen, das nicht wusste, was sie mit ihren Gefühlen anfangen sollte. 

Bear ist ungehobelt, grob und wütend. Doch so war er nicht immer. Nachdem Elli ihn gefoltert hat, ist er zum Schatten seiner selbst geworden. Das Feuer in seinen Augen ist erloschen und Alkohol sein neuer bester Freund, welcher ihm Flucht durch vergessen ermöglicht. Dass ihm die damalige Leichtgläubigkeit eines Kindes wieder zu neuem Lebensmut verhelfen würde, hätte er niemals vermutet.


T. M. Frazier hat mich bereits in den ersten beiden Bänden der "KING"-Reihe mit zahlreichen und spannenden Wendepunkten in Atem gehalten. Menschen, die als Familie füreinander einstehen und andere, die Fehler und jahrelange Ignoranz erkennen und diese Erkenntnis mit dem größtmöglichen Beweis verdeutlichen. 

Ich fand es traurig zu sehen, wie sich ein Mann, der immer eine dicke Lippe riskiert und King bewusst provoziert hat, durch Ellis Übergriff aufgegeben hat. Die Verknüpfung der Autorin zu Thia - damals wie heute - war sein Rettungsanker, wie man rückblickend erkennt. Es ist einfach Versprechungen zu machen, doch diese zu halten ist nochmal ein ganz anderes Thema. Der Übermut eines 21-jährigen hat Ti in eine Falle gelockt und das Versprechen, was vor Jahren nur Schein war, macht er nun wahr.

Thia und Bear wecken Erinnerungen ineinander, die schmerzlich sind, doch gerade dieser Tatbestand gibt ihnen auch das Gefühl, verstanden zu werden, da sie einen Schmerz empfinden, denn man nur lindern kann, wenn der gegenüber eben solche Erfahrungen durchlebt hat. T. M. Frazier baut hier einerseits einen starken Kontrast zwischen den Protagonisten auf und lässt diese Mauer auf der anderen Seite gleich wieder in sich zusammenstürzen. 

Mit ihren "versteckten Botschaften" haucht die Autorin dieser gewaltgeprägten Welt jede Menge Feingefühl ein. Sei es durch Preppy, der sein Herz auf der Zunge trägt, seine Freunde auch über den Tod hinaus noch begleitet und nicht davor scheut seinen Freunden ihr Verhalten unverblümt vor Augen zu führen, auch King und Ray spielen hier wieder eine präsente Rolle. Die ersten beiden Bände haben bereits gezeigt, dass aus einem launischen King ein Familienvater geworden ist, dessen Priorität vollkommen auf seiner Familie liegt.  Eine Veränderung die keine Schwäche ist, sondern von Stärke überzeugt. Ebenso wie die Message die man hier zwischen den Zeilen herausliest, dass Familie nicht Blutsverwandtschaft meint. Familie ist ein miteinander, sich für jemanden einzusetzen, den man liebt, egal, wie schlecht die Karten stehen und wie viel man selber dabei riskiert.

Was hier auch sehr schön zur Geltung kommt, ist, dass Ray King akzeptiert, wie er ist. Sie liebt ihn, hat Angst ihre große Liebe verlieren zu können und dennoch weiß sie, dass sie ihn niemals aufhalten könnte, an der Seite seiner Freunde und damit gleichsam seiner Familie zu kämpfen. Wer glaubt, dass eine derbe Ausdrucksweise und emotionale Höhepunkte nicht miteinander vereinbar sind, kann sich hier eines Besseren belehren lassen ;)




Über die Autorin:

T. M. Frazier lebt mit ihrer Familie im sonnigen Florida, und ihr erstes Buch sollte ein heiterer Sommerroman werden. Naja … die Geschichte spielt im Sommer! Wenn ihre Helden sie nicht gerade in dunklen Abgründen gefangen halten, verbringt T. M. Frazier ihre Zeit mit lesen, reisen und Countrymusik.

- Lyx -


Bücher der Reihe:
King

Band 1: "Er wird dich besitzen"
Band 2: "Er wird dich lieben"
Band 3: "Lawless"
Band 4: "Soulless"    erscheint am 02.März 2017

















Danke!